JM Staud YATTSU, ein Oktett

JM Staud YATTSU, ein Oktett

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Werkeinführung

Yattsu (八つ)
Für Oktett (2020)
für Klarinette in A, Fagott, Horn, 2 Violinen,
Viola, Violoncello und Kontrabass

Kompositionsauftrag der Ludwig Chamber Players und des Alban Berg-Ensembles mit Unterstützung der Alban Berg-Stiftung

Den Ludwig Chamber Players und dem Alban Berg-Ensemble gewidmet

Dauer: 12‘00‘‘

Der Titel Yattsu, das japanische Wort für „Acht“ ist sowohl ein Hinweis auf die Besetzung, als auch auf den Ort der ursprünglich geplanten Uraufführung – dem Hyogo Arts Center in Nishinomiya/Japan – diese fiel aber leider der Covid-19-Pandemie zum Opfer…

Ja, Yattsu ist zweifelsohne ein „Corona-Stück“. Das Bangen zwischen und während der unzähligen Lockdowns, der dauernden Unsicherheiten, Konzertabsagen, Projektverschiebungen, einer Phase des Homeschoolings, des Rückzugs ins Private, prägte die Arbeit an diesem Werk, die mir, wohl auch wegen der Schwierigkeiten, die diese Besetzung balancetechnisch mit sich bringt, nicht wirklich leicht von der Hand ging. Und gerade deshalb ist Yattsu wohl auch ein Stück reinster „absoluter“ Musik geworden, ein gelebter Eskapismus, wie es einem wohl nur das Schreiben von Musik ermöglichen kann. Heraus kam eine über große Strecken wilde, aufbrausende, vorwärtsdrängende, manchmal aber auch zärtlich-introvertierte Musik mit teilweise mikrotonaler Harmonik, die sich auf wenige, sich ständig gegenseitig beeinflussende melodische und rhythmische Zellen zurückführen lässt.

Wohl gibt es wenige „klassische“ Kammermusikbesetzungen, die einen solch charakteristischen Klang mitbringen wie die von Franz Schubert geprägte Oktett–Besetzung. Der Verzicht auf hohe Holzblasinstrumente wie Flöte und Oboe, die leichte Dominanz der Streicher, die Hinzunahme des Kontrabasses, die warme, volle, runde Gesamtfarbe ist ein interessantes Zwischending aus Fast-Orchestral und Pur-Kammermusikalisch.

Sowohl in Schuberts wundervollem sechssätzigen Oktett D 803 (1824) als auch in Yannis Xenakis‘ explosivem Anaktoria (1969), zwei Meilensteinen dieser Besetzung, wird klar, was diese Besetzung zu leisten vermag: größte Lyrik neben höchste Expressivität, Intimität neben Opulenz zu stellen; solistische Extravaganzen mit fein ziseliertem Tuttiklang mit großer Tiefenschärfe zu verquicken. Mit meinem Yattsu habe ich nun versucht, diesem Flaggschiff Oktett eine bedingungslos persönliche Farbe abzuringen.

Johannes Maria Staud, Mai 2021

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